I/BInformatik in der Bildung
I/El'Informatique dans l'Éducation
Sie befinden sich hier: SV!A - SS!E - SS!I » Informatik in der Bildung » Kompetenzenkatalog für gymnasiale Informatik » I0 Konzepte von Information

I0 Konzepte von Information

Autor: Paul Miotti

Motivation

Der Begriff der Information ist für das Weltbild des heutigen Ingenieurs neben den Begriffen von Materie und Energie grundelegend. Aber oft ist er nicht reflektiert und selten Bestandteil seiner sprachlichen Kompetenz. Dies hängt wohl damit zusammen, dass dieser Begriff einen geistigen Gegenstand aufweist und sich somit einer einfachen und bündigen Definition entzieht. Zugleich wird er in unserem Alltag überall („ubiquitär“) auch von Nicht-Technikern völlig selbstverständlich verwendet. Im Informationsbegriff und der durch ihn ermöglichten Perspektive, die reale Welt durch die Informationsbrille zu betrachten, verbrigt sich eine immense Fruchtbarkeit, von welcher letztlich auch die praktischen Informatik lebt. Die dem Informationsbegriff eigentümliche Tendenz zum Entzug soll ausgehalten und von den Schülerinnen und Schülern in einem vernünftigen Ausmass erfahren werden und nicht allzu schnell durch technisch anerkannte Definitionen ersetzt werden.

Haltungen

  1. Ich differenziere in meinem Sprachgebrauch zwischen technisch-wissenschaftlichen, alltäglichen und philosophischen Begriffsbestimmungen.
  2. Ich kann kritisch begründen, weshalb es diese braucht, wie sie zusammenhängen und wo ihre Grenzen sind.

Fertigkeiten / Kenntnisse

  1. Ich habe mich mit den verschiedenen Gebrauchsweisen des Begriffs der „Information“ in Alltag, Philosophie, Technik etc. auseinandergesetzt und verwende ihn daher selber differenziert und reflektiert.
  2. Ich bin fähig, sprachlich angemessen über den Bedeutungsgehalt von Information im Sinn von „Sinn und Bedeutung“ Auskunft zu geben und zu argumentieren. Dabei verstehe ich den Bezug zum Kontext und zum interpretierenden Subjekt von Information.
  3. Ich unterscheide Information von Informationsträgern wie Zeichen, Signal, Datum, Nachricht etc.
  4. Ich verfüge über den klassischen Begriff von Information aus der Informationstheorie im Sinne von Wissenszuwachs und die damit verbundenen Grundbegriffe wie Redundanz, Syntax und Semantik und deren Einsatzgebiete in den Bereich von Codierung, Kommunikation etc.

Anwendungsbeispiele

  • Sokrates stellte die „Was ist X?“-Frage (z.B. Was ist Tugend (=ethisches Handeln)?) an alle möglichen Leuten in Athen. Aeusserlich endeten diese Gespräche in der Aporie. Es konnten nur einzelne Beispiele als Antwort gefunden werden und nicht die Idee, der abstrakte Begriff für alle Situationen.
  • Die Wissenschaften entwickelten (vor allem in den letzten Jahrhunderten) grossartige Begriffssysteme. Insbesondere auch die Mathematik als axiomatische Wissenschaft, für die präzise Definitionen das Fundament (die Axiome) darstellen.
  • Kein solches axiomatisches System ist jedoch vollständig.
  • Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache (und nicht etwa die Suche nach einer „Idee“, was eine Verhexung unseres Verstandes darstellt).
  • Ich werde von einem Fremden am Bahnhof nach dem Standort der „Tourist Information“ gefragt.
  • Ja-Nein-Fragespiel.

Verwandte Kompetenzen

  • FIXME

Referenzen

  • FIXME

Diskussion

  • NOTE Der technische Begriff im Sinn von „Wissenszuwachs“. Redundanz im Sinn von „gleichem“ Wissenszuwachs, der dann überflüssig wird. — Paul Miotti 2008/06/24
  • NOTE Was ist Information, was sind Daten, was sind Nachrichten. Interpretation von Daten am Beispiel der aceribo-Botschaft. Was ist Redundanz, wann ist sie erwünscht, wo nicht? — Vincent Tscherter 2008/07/07 17:12
  • NOTE Informative Slides zum Thema (mit autoritativem Wert) von Ludger Humbert bei http://ddi.uni-wuppertal.de/ddi-sommersemester-2008/Sommersemester_2008-DdI-2_Ausdruck.pdf . Das Spannungsfeld zwischen technischer Definition und Alltagsgebrauch wird sichtbar. — Paul Miotti 2008/11/01 14:50
  • NOTE J. Ritter / K. Gründer / G. Gabriel (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. ISBN 978-3-7965-0115-9, Band 4, Spalte 357, Artikel „Information“. Carl-Friedrich von Weizsächer, der Physiker und Philosoph, schrieb 1959: “… dass Information als dritte von Materie und Bewusstsein verschiedene Sache aufgefasst werden muss. … Es ist das platonische Eidos, die aristotelische Form, so eingekleidet, dass auch der Mensch des 20. Jahrhunderts etwas von ihnen ahnen lernt.“ — Paul Miotti 2008/11/15 16:00
 
informatik/kompetenzen/i0_concept_of_information.txt · Zuletzt geändert: 2011/05/30 23:02 (Externe Bearbeitung)